19th
Mein zweiter Bericht aus Kolumbien.
Ich bin jetzt seit genau 105 Tagen hier in dem kleinen Staedtchen Libano im Herzen von Kolumbien. Mittlerweile ist Routine in mein Leben eingekehrt. Naja Routine ist zu viel gesagt, denn hier passieren jeden Tag Dinge, die man sich nicht vorstellen kann.
Momentan verteilen Roberto, mein Chef und ich, Lebensmittelspenden, die wir von der „ Acción Social“ aus der Hauptstadt Bogotá bekommen haben. Es ist zwar nicht allzu viel, aber immerhin kann einigen sogenannten „ Desplazados“, bzw. „Desplazierten“ geholfen werden.
Doch die ganze Angelegenheit ist gar nicht so einfach… Es muessen etliche Vorgaben beachtet werden, damit wir Reis, Mehl, Linsen, Zucker, Salz und Oel ausgeben duerfen. Von ungefaehr 50 Leuten die jeden Tag kommen, sind schaetzungsweise 5 Leute Desplazierte der Monate September oder Oktober und nur genau an diese Menschen duerfen wir die Lebensmittelspenden austeilen.
Ihr bzw. Sie koennen sich dieses Elend nicht vorstellen. Die Menschen die hier hin kommen, um sich die Spenden abzuholen, sind Menschen die am Rande des Elends leben. Sie haben kein Geld fuer Essen, Kleidung oder sonst was. Und genau diesen Menschen muss ich dann sagen, dass es leider nichts fuer sie gibt, obwohl der ganze Vorratsraum voller Spenden ist. Sehr deprimierend.
Das bricht mir jedes Mal wieder das Herz, wenn die Muetter von 5 Kinder oder mehr vor mir steht und uns anfleht ihnen Essen zu geben.
„Nein, tut mir leid, nur an Desplazierte des Monats September und Oktober.“
Hinzu kommt, dass hier in Kolumbien so etwas wie Korruption herrscht. Die Verantwortlichen der Organisation der Desplazierten, die die Bescheinigungen ausstellen (die zeigen, ob sie Desplazierte des Monats September oder Oktober sind)sind korrupt und stellen im Gegenzug von 50.000 Pesos gefaelschte Bescheinigungen aus.
Ungerechtigkeit pur und wir koennen einfach nichts dagegen tun. Wer eine Bescheinigung hat, bekommt die Alimenten.
Was aber noch schlimmer fuer mich ist, ist zu sehen, dass Amanda, eine Socio von ASOCOMBAS, die in einer Wellblechhuette in der Invasion Polka lebt, die jeden Tag hier ins Buero kommt, um uns mit der Vergbe der Alimenten zu helfen und es viel dringender noetig hat, als die ganzen Betrueger, bekommt nichts ab bekommt.
Jaja so ist der Altag hier in Libano…Duro, wie die Colombianer sagen wuerden.
Generell ist zu meiner restlichen Arbeit hier bei ASOCOMBAS zusagen, dass ich viele Menschen kennengelernt habe, die unglaublich offen und gastfreundlich sind.
Meine Arbeit mit den Jugendlich und den Kindern von ASOCOMBAS ist so vielseitig und so aufregend, weil sie nicht nur von mir lernen, sondern ich genauso von ihnen. Jeden Samstag treffen wir uns um 2 uhr mittags und machen Bibelarbeit, Deutsch- und Englischunterricht, Handarbeiten und natuerlich zahlreiche Spiele. Die Jugendlichen der Communidad 8 Juventud ASOCOMBAS sind mittlerweile zu 50 Mitgliedern herangewachsen und kommen regelmaessig zu den Versammlungen.
Roberto, Luz Dary ( die Sekretaerin von ASOCOMBAS) und ich teilen die Gruppe in drei kleinerer Gruppen auf und arbeiten selbststaendig und getrennt voneinander. Am Anfang ging das natuerlich noch nicht, da meine Spanischkenntnisse einfach nicht ausreichten, aber jezt kann ich ganz selbststaendig mit ihnen arbeiten.
Ebenso habe ich jeden Freitag eine Reunion mit den Senioren von ASOCOMBAS. Mit ihnen machen wir vermehrt Bibelarbeit und Bildung. Viele von ihnen koennen nicht lesen und schreiben, deswegen ist die Arbeit mit ihnen etwas anstrengender, aber umso interessanter.
Jetzt im November haben wir geplant Handarbeiten mit den Senioren zubeginnen. Julian (mitglied von den Jugendlichen) und ich werden, Postkarten, Armbaender und noch viele andere Sachen mit den Senioren basteln, um sie dann in Deutschland fuer einen guten Zweck, fuer ASOCOMBAS, zuverkaufen.
Wenn ich nicht gerade im Buero oder mit den jeweiligen Gruppen arbeite, besuchen Roberto und ich die Barrios, also die Stadtviertel in denen unsere Socios leben.Wenn man in Deutschland Dokumentationen ueber Armenviertel sieht, denkt man ja schon, dass das alles ganz schlimm ist, aber wenn man das in der Realitaet sieht, versteht man erst in welcher Situation diese menschen sind.
Die Haeuser in denen die Menschen wohnen, sind gar keine Haueser. Sie wohnen in Wellblechhuetten die notduerftig mit Plastiktueten Isoliert sind. Die Kinder schlafen teileweise zu viert in einem kleinen Bett, was total verschimmelt und dreckig ist, weil wenn es hier regnet, wird das ganze Haus ueberflutet.
Sie haben kein Geld fuer richtige Nahrung, Kleidung oder Schulsachen.. Die Eltern schicken ihrer Kinder auf die Vincen, damit sie vielleicht eine Yuca oder Platanos geschenkt bekommen.
Wenn wir sie besuchen kommen, werden wir mit eine Herzlichkeit aufgenommen die man sich garnicht vorstellen kann. Sie kommen alle aus den Haeusern gestuermt, umarmen einen und laden dich auf eine Tasse AguaPanela ein.
Es ist traurig, zusehen, dass diese netten Menschen einfach nur in einer Situation sind, die fuer mich persoenlich fast auswegslos erscheint.
Doch es gibt auch Asunahmen, die Kinder von Amanda zum Beispiel, haben die Moeglichkeit durch sogenannten Stependien doch an einer Universitaet zu studieren.
Meine Arbeit hier in Libano ist nicht einfach und nicht alltaeglich, aber mir gefallen diese erfahrungen.
Im November haben Anna und ich grosse Plaene: wir machen einen St. Martinsabend und im Dezember folgen ein Nikolausabend und Adventskalender fuer die Kinder. Fuer die Kinder in der Fundacion oder auch bei mir in ASOCOMBAS ist es eine neue Erfahrung, die die Kultuer von Deutschland hier nach Kolumbien bringt. Ich lerne von ihnen wie man richtig Halloween oder sonstige kolumbianische Feste feiert und sie lernen Nikolaus und Sankt Martin kennen.